„Für wen wird hier eigentlich gebaut?“
Steigende Mieten und Nebenkosten, unsichere Zukunftsaussichten und ein Gefühl, dass politische Entscheidungen an ihren Lebensrealitäten vorbeigehen, waren die zentralen Themen bei den Haustürgesprächen, die die Linke Emsland in Papenburg geführt hat. Hier wird deutlich, wo es wirklich vor Ort hakt.
Am 18.04.2026 hat die Linke Emsland erneut Haustürgespräche geführt. Dieses Mal haben wir uns in Papenburg getroffen. Zwölf engagierte Mitglieder waren mehrere Stunden in der Stadt unterwegs und suchten das direkte Gespräch mit den Menschen vor Ort. Insgesamt wurden über 350 Türen erreicht. Der Fokus lag dabei bewusst auf den konkreten Lebensrealitäten in der Stadt.
Generationsübergreifend wurde besonders das Thema Wohnen angesprochen. Viele Menschen berichteten von hohen Mieten und Nebenkosten sowie fehlenden bezahlbaren Alternativen. Dabei wurde auch grundsätzliche Kritik an der aktuellen Bauentwicklung geäußert. Ein Anwohner fasst es ganz gut zusammen: „Die Frage ist doch, für wen wird eigentlich gebaut? Das sind nur große Konzerne mit ganz, ganz vielen Wohnungen auf möglichst wenig Platz.“
Ein weiteres zentrales Thema waren der schlechte Zustand der Straßen und Radwege, sowie die zum Teil schlechte Verkehrsführung, die Sicherheitsprobleme verursache. Besonders wurde die mangelnde Fahrradfreundlichkeit deutlich kritisiert. Auch der öffentliche Nahverkehr wurde als unzuverlässig beschrieben, etwa durch ausfallende Verbindungen oder unzureichende Taktung.
Im Bereich Bildung und Betreuung wurde mehrfach auf fehlende Kita-Plätze und unzureichende Betreuungsangebote hingewiesen. Familien schilderten, dass es dadurch erschwert werde, Beruf und Alltag zu vereinbaren. Ergänzend wurde auch der Zustand von Schulen und Einrichtungen thematisiert.
Für viele junge Menschen steht zudem die Frage im Raum, welche Möglichkeiten es vor Ort gibt. Häufig wurde bemängelt, dass es zu wenig bezahlbare Freizeitangebote gibt und bestehende Angebote nach dem Jugendalter wegfallen. Der Wunsch nach mehr Orten für Begegnung und Freizeitgestaltung wurde in vielen Gesprächen hervorgehoben.
Neben diesen kommunalen Themen wurden auch bundespolitische Entwicklungen angesprochen. Insbesondere steigende Kosten, etwa für Führerschein oder Mobilität, sowie Diskussionen rund um den Wehrdienst wurden von jüngeren Gesprächspartnern kritisch gesehen, jedoch standen diese Punkte nicht im Mittelpunkt der Gespräche.
Auch wirtschaftliche Sorgen spielen im Alltag vieler Menschen eine Rolle. Steigende Lebensmittelpreise, niedrige Löhne und fehlende Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt wurden mehrfach angesprochen. Besonders Menschen im Niedriglohnsektor schilderten eine zunehmende Belastung.
Viele Menschen sind grundsätzlich mit ihrem Leben in Papenburg zufrieden, äußern jedoch wachsende Sorgen mit Blick auf die Zukunft und die Bezahlbarkeit des Alltags. Die Haustürgespräche zeigen damit ein klares Bild der aktuellen Herausforderungen vor Ort.
Für Manuel Bredol, aus dem Kreisvorstand der Linken Emsland, sind diese Rückmeldungen kein Zufall, sondern Ausdruck struktureller Probleme vor Ort. „Wenn uns an so vielen Haustüren immer und immer wieder die gleichen Themen begegnen, dann zeigt das ziemlich klar, wo die politischen Baustellen liegen. Genau da wollen wir ansetzen. Wir wollen das, was uns die Menschen tatsächlich sagen, in die Räte mitnehmen.“, führt Bredol fort.
Johannes Tombrink, Organisator der Aktion, zeigte sich zufrieden mit der hohen Gesprächsbereitschaft, betonte jedoch zugleich die Notwendigkeit, den Austausch fortzusetzen. Auch in weiteren Ortsteilen soll es künftig ähnliche Gespräche geben, um noch mehr Perspektiven aus der Bevölkerung aufzunehmen. „Bis zur Kommunalwahl wollen wir im gesamten Emsland an mindestens 5000 Türen geklingelt haben. Danach machen wir einfach genau in dem Tempo weiter – wir wollen mit allen Menschen im Kontakt bleiben, und nicht nur mit denen, die sowieso zu uns kommen“, betont Johannes Tombrink schließlich.

